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Großprojekte

Weiße Elefanten

Anspruch und Scheitern technischer Großprojekte


Vortrag und Diskussion:
Freitag, 26. November 1999 - 20.00 Uhr
Pavillon
Lister Meile 4
Hannover, 30161
Germany
52° 22' 48.2664" N, 9° 44' 39.7572" E

Dirk van Laak (Universität Jena)

Weiße Elefanten - so werden in der Sprache der Entwicklungshilfe gescheiterte Großprojekte und Investitionsruinen genannt. Dem Begriff liegt das Bild eines fernöstlichen Danaergeschenks zugrunde: Wer im alten Siam kein König war und einen solchen Albino-Elefanten geschenkt bekam, war ruiniert, denn die Unterhaltskosten der göttlichen Tiere überstiegen unfehlbar seine Möglichkeiten. Ähnliches trifft heute auf viele der ambitionierten Bauten zu, mit denen Schwellenländer einen beherzten Sprung von der Dritten in die Erste Welt wagen. Gewaltige Projekte der Erschließung, der Rohstoff- und Energiegewinnung sollen dabei nicht nur ökonomische, sondern auch politische, soziale und kulturelle Wirkungen entfalten. Damit sind sie aktuelle Erben einer Ära der Energie, die das ganze 20. Jahrhundert und nahezu sämtliche politischen Systeme bestimmte. Diese Epoche war von einem nie dagewesenen Ehrgeiz des Menschen geprägt, mit Hilfe gigantischer Bauwerke die Zeitalter der Knappheit endgültig hinter sich zu lassen. Die Technik feierte ihre wahren Triumphe freilich nicht in solchen Gesamtkunstwerken sondern in zahllosen Kleinprojekten.

Der Vortrag stellt eine exemplarische Reihe Weißer Elefanten vor und fragt nach den Ursachen der modernen Bau- und Erschließungswut. Dabei versucht er, die spezifische Weltsicht technischer Eliten und ihre politisch-sozialen Hintergründen herauszuarbeiten.