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Verdrängung hat viele Gesichter

Filmkollektiv Schwarzer Hahn, Deutschland 2014, 94 min.


Film und Diskussion:
Samstag, 28. März 2015 - 20.30 Uhr
Kino im Sprengel
Klaus-Müller-Kilian-Weg 1
Hannover, 30167
Germany

Vertretern des Kollektivs Schwarzer Hahn

Berlin. Ein kleiner Kiez zwischen Ost und West. Verwilderte Brachen am ehemaligen Mauerstreifen. Motorsägen und Baukräne. Neubauten, Eigentumswohnungen und steigende Mieten. Versteckte Armut, AltmieterInnen, zugezogene Mittelschicht, Architekten, Baugruppen. Auf engstem Raum wird ein Kampf ausgetragen. Von Gesicht zu Gesicht. Direkt. Ohne Blatt vor dem Mund. Ängste artikulieren sich. Auf allen Seiten. Wut verschafft sich Ausdruck. Ein Kampf um Millimeter. Um den Kiez. Um Würde. Und um das eigene Leben.

Der Blick ins Kleine, in den Kiez, gibt fast beispielhaft eine Ahnung dessen, was an allen Ecken und Enden Berlins am Brodeln ist. Die Kamera bleibt fünf Jahre lang dicht dran. ProtagonistInnen aller Konfliktlinien bekommen Raum.

Gentrifizierung bekommt bis in seine feinste Verästelung ein Gesicht.

Berlin hat schon seit längerem mit der Gentrifizierung und ihren Opfern zu kämpfen. Immer mehr Bürger lehnen sich auf gegen Wuchermieten und versuchen mit allen Mitteln ihren »Kiez« zu verteidigen. Das Filmkollektiv Schwarzer Hahn vermittelt in seinem Dokumentarfilm »Verdrängung hat viele Gesichter« einen Eindruck, was auf den Straßen der Hauptstadt vor sich geht.
2009 gab es innerhalb der Linken eine Debatte entlang Gentrifizierung und sogenannter Baugruppen. Mitglieder einer linken Gruppe verteidigten nach einem offenen Brief das Wohnen ihrer MitgliederInnen in eigentumsorientierten Baugruppen um sich dann der Erwiderung gänzlich zu entziehen. Sie waren nicht die einzigen Linken, die sich in die Privatheit der Baugruppe verabschiedeten. Im Kern wurde sich der politischen Auseinandersetzung verweigert. Nun liegt ein filmisches Dokument vor, das nicht nur den Kampf gegen eigentumsorientiertes Bauen festhält, sondern auch die Argumente der Gegenseite in dem Konflikt. Entlang der Besitz- und Eigentumsverhältnisse dekliniert der Film die Frage nach Eigentum in seiner Wirkung, als Kampfansage gegen Besitzlose und Arme, politisch durch.
»Obwohl die FilmemacherInnen ihre Nähe zu den von Mieterhöhung und Verdrängung betroffenen Menschen nicht verstecken, gibt er auch den Menschen eine Stimme, die für die Verdrängung verantwortlich gemacht werden. Zum Teil investigativ und konfrontativ, zum Teil einfühlend, geht die Kamera sehr nah an die Menschen. Keine noch so unbequeme Frage wird ausgelassen. Der Film rührt an, beschämt und wirft Fragen auf, Fragen über die Zukunft unserer Stadt: Wie wollen wir zusammen leben? Wem gehört die Stadt?« (BerlinOnline.de)