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Verein zur Erforschung und Diskussion des Verhältnisses von Stadt und Kultur

Commoning für eine gemeinwohlorientierte Stadt

Gespräch:

Mittwoch, 10. Februar 2021 –

Die Veranstaltung wurde wegen einer verkehrsbedingten Verspätung der Hauptreferentin in zwei Teile gesplittet, die als Videomitschnitte abrufbar sind:

Teil 1: Wolfgang Niess (AG Stadtleben) im Gespräch mit Dennis Klose (ecovillage Hannover) https://youtu.be/Ltj_YnigwNw

Teil 2: Vortrag von Silke Helfrich (Commons-Institut, Berlin) im anschließenden Gespräch mit Dennis Klose (ecovillage Hannover) https://youtu.be/CNWe0y_AdAI

 

 

Teil 1

Wolfgang Niess (AG Stadtleben) im Gespräch mit Dennis Klose (ecovillage Hannover)


Ecovillage plant ein experimentelles Wohn- und Lebensquartier in Genossenschaftsform am Kronsberg. Umgesetzt werden soll die Vision eines nachhaltigen Quartiers mit einem hohen sozialen Standard. Dabei sollen die Reduktion des Ressourcenverbrauchs aufgrund einer selbstbegrenzten Lebensweise („Suffizienz“) und gemeinschaftliche Lebensformen im Mittelpunkt stehen. Neben den Wohnformen kommen bei dem Projekt auch anderen sozialen oder ökonomischen Aspekten eine hohe Bedeutung zu: Flächen für den Lebensmittelanbau, Inklusion, Kooperation, Generationensolidarität, ein Tausch- und Leihsystem für die Bewohner*innen und vieles mehr. Wir fragen nach, inwiefern dies Projekt als Beispiel erfolgreichen Commonings stehen kann.

 

Teil 2
Vortrag von Silke Helfrich (Commons-Institut, Berlin)
im anschließenden Gespräch mit Dennis Klose (ecovillage Hannover)

Die grundlegende Idee der Commons ist die selbstorganisierte und bedürfnisbezogene Gestaltung unserer sozialen und physischen Umwelt - im ländlichen und im städtischen Raum, im realen Leben und in der digitalen Welt. Commons sind so alt wie die Menschheit und so modern wie das Internet.

Sie sind selbstverständlich und doch voraussetzungsvoll, denn Menschen müssen sich über Regeln und Grenzen verständigen; sie müssen immer wieder prüfen, ob individuelle wie gemeinschaftliche Bedürfnisse befriedigt werden. Nur dann kann es gelingen, sich in Vielfalt gemeinsam auszurichten.

Wer diesen Ansatz auf die aktuelle Stadtplanung überträgt, stößt auf wenig Freiraum zur Selbstorganisation und stattdessen auf ein jahrzehntelang gewachsenes Macht- und Regelgeflecht. Da Commoning nicht auf partielle Bürgerbeteiligung sondern auf souveräne Prozessgestaltung setzt, ist zu klären, inwieweit unsere Stadtplanungsinstitutionen diesem Ansatz gerecht werden können. Wie können „von unten“ initiierte Projekt sinnvoll begleitet werden? Wie können Lösungen wirklich gemeinsam erarbeitet und Prozesse ergebnisoffen gehalten werden? Wie können Regeln und Vorgehensweise im gesamten Prozess gemeinsam erarbeitet werden? Auch die Frage, wer überhaupt über die unterschiedlichen urbanen Ressourcen - Boden, Verkehrswege, Wohnraum, Kultur – verfügen darf, ist in diesem Zusammenhang essenziell.